Chromophore der Haut: Melanin, Hämoglobin & Wasser
Ein Chromophor ist die Struktur im Gewebe, die Laserlicht aufnimmt und in Wärme umwandelt. In der Haut sind vier Chromophore relevant: Melanin (Haare, Pigmentflecken), Hämoglobin (Gefäße), Wasser (Hautstruktur) und eingebrachte Tattoo-Pigmente. Welches davon ein Laser erreicht, entscheidet seine Wellenlänge – deshalb behandelt ein Alexandritlaser mit 755 nm Haare, während ein CO2-Laser mit 10.600 nm die Hautoberfläche abträgt.
Was ist ein Chromophor?
Ein Chromophor ist ein Molekül oder eine Struktur, die Licht einer bestimmten Wellenlänge absorbiert. In der Lasermedizin bezeichnet der Begriff die Zielstruktur einer Behandlung: jenes Gewebe, das die Laserenergie aufnehmen und dadurch zerstört oder verändert werden soll.
Chromophore sind der Grund, warum Laserbehandlungen überhaupt selektiv sein können. Würde alles Gewebe Licht gleichmäßig aufnehmen, ließe sich ein Haarfollikel nicht behandeln, ohne die Haut darüber zu verbrennen. Weil aber Melanin, Hämoglobin und Wasser bei jeweils unterschiedlichen Wellenlängen ihr Absorptionsmaximum haben, lässt sich gezielt eine Struktur ansprechen.
Der Begriff Chromophor wird auch in Chemie, Textilfärbung und Kosmetik verwendet. Dieser Beitrag beschreibt ausschließlich die Chromophore der Haut in der Lasermedizin.
Die vier Chromophore der Haut
Melanin
Melanin ist das Pigment der Haut und der Haare. Es absorbiert breitbandig, mit deutlich stärkerer Aufnahme im kurzwelligen Bereich – die Absorption sinkt mit steigender Wellenlänge kontinuierlich ab.
Melanin ist Ziel bei der Laser-Haarentfernung (Melanin im Haarschaft und in der Follikelwurzel) und bei Pigmentveränderungen wie Altersflecken, Lentigines oder Melasma.
Melanin ist zugleich das größte Sicherheitsthema: Es sitzt nicht nur im Ziel, sondern auch in der Epidermis. Je dunkler der Hauttyp oder je stärker die Bräunung, desto mehr Energie fängt die Oberfläche ab – das senkt die Wirkung und erhöht das Risiko für Verbrennungen und Pigmentverschiebungen.
Hämoglobin
Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff und damit das Chromophor aller Gefäßbehandlungen: Couperose, Rosacea-Rötungen, Besenreiser, Blutschwämmchen.
Es besitzt mehrere Absorptionsmaxima – ausgeprägt im blau-grünen Bereich um 418, 542 und 577 nm sowie ein schwächeres, aber praktisch sehr nützliches Maximum um 1064 nm. Oberflächliche, feine Gefäße lassen sich deshalb mit kurzwelligem Licht behandeln, tiefere und größere Gefäße mit 1064 nm, weil diese Wellenlänge weiter vordringt.
Wasser
Wasser macht den größten Teil des Hautgewebes aus und absorbiert vor allem im mittleren Infrarot. Die Absorption steigt jenseits von etwa 1300 nm stark an und erreicht bei 2940 nm (Er:YAG) und 10.600 nm (CO2) sehr hohe Werte.
Weil Wasser überall im Gewebe vorliegt, wirken wasserbasierte Verfahren nicht auf eine einzelne Struktur, sondern flächig – sie tragen Gewebe ab oder erwärmen es kontrolliert. Das ist die Grundlage von ablativem Resurfacing mit dem fraktionierten CO2-Laser und von nicht-ablativen Verfahren mit 1550 nm (Er:Glass).
Tattoo-Pigment
Tattoo-Pigmente sind keine körpereigenen Chromophore, sondern eingebrachte Partikel. Ihre Absorption hängt von der Farbe ab: Schwarz und Dunkelblau absorbieren breit und lassen sich gut mit 1064 nm behandeln, Rot spricht auf 532 nm an, Grün und Hellblau benötigen Wellenlängen um 650 bzw. 755 nm.
Weil die Partikel sehr klein sind, ist hier nicht nur die Wellenlänge entscheidend, sondern vor allem die Pulsdauer: Nur ultrakurze Pulse im Nano- oder Pikosekundenbereich zerlegen sie photoakustisch, statt sie lediglich zu erwärmen. Systeme wie der PICO-K decken mit bis zu vier Wellenlängen ein entsprechend breites Farbspektrum ab.
Welche Wellenlänge trifft welches Chromophor?
Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Wellenlängen ihren Hauptzielen zu:
| Wellenlänge | Hauptchromophor | typische Anwendung |
|---|---|---|
| 532 nm | Melanin, Hämoglobin, rote Pigmente | oberflächliches Pigment, feine Gefäße |
| 585–595 nm | Hämoglobin | Rötungen, Couperose |
| 755 nm | Melanin | Haarentfernung helle Hauttypen, Pigment |
| 808 nm | Melanin | Haarentfernung, mittlere Tiefe |
| 1064 nm | Melanin schwach, Hämoglobin, dunkles Pigment | dunkle Hauttypen, tiefe Gefäße, Tattoos |
| 1550 nm | Wasser | nicht-ablatives fraktioniertes Resurfacing |
| 2940 nm | Wasser (sehr stark) | oberflächliche Ablation |
| 10.600 nm | Wasser (stark) | ablatives Resurfacing, CO2 |
Die Werte sind Orientierungsgrößen. Die tatsächliche Wirkung hängt zusätzlich von Pulsdauer, Fluence, Spotgröße und Hauttyp ab.
Warum der Hauttyp mitentscheidet
Das häufigste Problem in der Praxis ist das konkurrierende Chromophor: Melanin in der Epidermis absorbiert dieselbe Energie, die eigentlich den Follikel oder das Gefäß erreichen soll.
Drei Stellschrauben helfen:
- 1Längere Wellenlänge wählen – 1064 nm wird von Melanin deutlich schwächer absorbiert als 755 nm und ist damit bei dunkleren Hauttypen die sicherere Wahl
- 2Pulsdauer verlängern – die Energie verteilt sich über mehr Zeit, die Epidermis kann zwischendurch Wärme abgeben
- 3Oberfläche kühlen – Kontakt- oder Luftkühlung schützt die Epidermis, während die Tiefe die Energie erhält
Deshalb gehört die Hauttypbestimmung nach Fitzpatrick vor jede Behandlung – und ein Testareal bei Unsicherheit.
Chromophor und Geräteauswahl
Für Praxen bedeutet das Chromophor-Prinzip vor allem eines: Ein einzelnes Gerät kann nicht alle Indikationen abdecken, weil kein einzelnes Chromophor alle Behandlungsziele repräsentiert.
- Wer Haarentfernung anbietet, braucht Melanin-Wellenlängen – idealerweise 755 und 1064 nm für alle Hauttypen
- Wer Pigment und Tattoos behandelt, braucht kurze Pulse und mehrere Wellenlängen für verschiedene Farben
- Wer Hautstruktur verbessert, braucht wasserbasierte Verfahren, ablativ oder nicht-ablativ
- Wer Gefäße behandelt, braucht Hämoglobin-taugliche Wellenlängen und passende Pulsdauern
Dermacom führt Systeme für alle vier Chromophor-Gruppen und berät bei der Auswahl – kaufen oder leasen, mit Einweisung, Schulung und Service.
Häufige Fragen
Die Struktur im Gewebe, die das Laserlicht absorbiert und in Wärme umwandelt – also die Zielstruktur der Behandlung. In der Haut sind das Melanin, Hämoglobin, Wasser und eingebrachte Tattoo-Pigmente.
Vier relevante: Melanin für Haare und Pigmentveränderungen, Hämoglobin für Gefäße und Rötungen, Wasser für Verfahren an der Hautstruktur sowie Tattoo-Pigmente als eingebrachte Partikel.
Weil es nicht nur im Ziel sitzt, sondern auch in der Epidermis. Bei dunkleren Hauttypen oder gebräunter Haut absorbiert die Oberfläche einen Teil der Energie mit – deshalb sind längere Wellenlängen, längere Pulse und Kühlung nötig.
Kurzwelliges Licht um 532 nm spricht Melanin, Hämoglobin und rote Pigmente an, 755 und 808 nm vor allem Melanin, 1064 nm tiefe Gefäße und dunkles Pigment, ab 1550 nm dominiert Wasser als Chromophor.
Nein. Multi-Wellenlängen-Systeme decken mehrere ab, aber kein Gerät bedient alle vier sinnvoll. Die Auswahl richtet sich nach dem Behandlungsspektrum der Praxis.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Behandlungen sind durch qualifiziertes Fachpersonal durchzuführen.