Wellenlänge & Eindringtiefe: Welcher Laser wirkt wo?
Die Wellenlänge eines Lasers entscheidet, wie tief sein Licht in die Haut eindringt und welche Struktur es dort erreicht. Zwischen etwa 600 und 1200 nm steigt die Eindringtiefe mit der Wellenlänge – 755 nm erreicht rund 1 bis 2 mm, 1064 nm etwa 3 bis 5 mm. Oberhalb von 1200 nm kehrt sich das um: Wasser absorbiert so stark, dass 2940 und 10.600 nm nur noch Bruchteile eines Millimeters tief wirken und Gewebe abtragen statt zu durchdringen.
Warum die Wellenlänge über die Tiefe entscheidet
Wie weit Laserlicht in die Haut vordringt, hängt von zwei Effekten ab: Absorption und Streuung. Absorbiert wird das Licht von den Chromophoren – Melanin, Hämoglobin, Wasser. Gestreut wird es an den Strukturen des Gewebes, vor allem an Kollagenfasern.
Beide Effekte sind wellenlängenabhängig, und sie wirken gegenläufig. Kurzwelliges Licht wird stark gestreut und stark absorbiert – es bleibt oberflächlich. Langwelliges Infrarot wird kaum gestreut, aber ab einem bestimmten Punkt sehr stark von Wasser absorbiert – es bleibt ebenfalls oberflächlich.
Dazwischen liegt ein Bereich, in dem beides gering ist: das optische Fenster zwischen etwa 600 und 1200 nm. Hier dringt Licht am tiefsten ein – und genau deshalb liegen die Wellenlängen für Haarentfernung und tiefe Gefäßbehandlungen in diesem Fenster.
Die verbreitete Faustregel „längere Wellenlänge = tiefere Wirkung" gilt nur innerhalb des optischen Fensters. Oberhalb von etwa 1200 nm kehrt sie sich um.
Eindringtiefen im Überblick
Die folgenden Werte sind Orientierungsgrößen für gesunde Haut. Die tatsächliche Wirktiefe hängt zusätzlich von Fluence, Pulsdauer, Spotgröße und Hauttyp ab.
| Wellenlänge | typische Eindringtiefe | Hauptchromophor | typisches Ziel |
|---|---|---|---|
| 532 nm | ca. 0,5–1 mm | Melanin, Hämoglobin | oberflächliches Pigment, feine Gefäße |
| 585–595 nm | ca. 1–1,5 mm | Hämoglobin | Rötungen, Couperose |
| 755 nm | ca. 1–2 mm | Melanin | Haarfollikel, Pigment |
| 808 nm | ca. 2–3 mm | Melanin | Haarfollikel, tiefer gelegen |
| 1064 nm | ca. 3–5 mm | Hämoglobin, dunkles Pigment | tiefe Gefäße, dunkle Hauttypen |
| 1550 nm | ca. 1–1,5 mm | Wasser | nicht-ablative fraktionierte Behandlung |
| 2940 nm | wenige µm pro Puls | Wasser (sehr stark) | präzise oberflächliche Ablation |
| 10.600 nm | ca. 20–30 µm pro Puls | Wasser (stark) | ablatives Resurfacing |
Was die Spotgröße damit zu tun hat
Die Wellenlänge ist nicht der einzige Faktor. Bei gleicher Wellenlänge dringt ein größerer Behandlungsspot tiefer wirksam ein, weil weniger Licht seitlich aus dem Strahlengang gestreut wird. Deshalb erreichen große Handstücke bei gleicher Fluence tiefere Strukturen als kleine.
Was das für die Behandlung bedeutet
Haarentfernung
Der Haarfollikel liegt je nach Körperregion etwa 2 bis 5 mm tief. Beide gängigen Wellenlängen erreichen ihn, unterscheiden sich aber im Sicherheitsprofil: 755 nm wird von Melanin stark absorbiert – hohe Wirksamkeit bei hellen Hauttypen mit dunklem Haar. 1064 nm wird schwächer absorbiert und dringt tiefer ein – die Wahl bei dunkleren Hauttypen, weil die Epidermis weniger Energie abfängt. Systeme mit beiden Wellenlängen wie der Pento 9900 decken das gesamte Hauttypspektrum ab.
Gefäße
Feine, oberflächliche Gefäße im Gesicht sprechen auf kurzwelliges Licht an, das Hämoglobin stark absorbiert. Größere und tiefer liegende Gefäße – etwa Besenreiser an den Beinen – benötigen 1064 nm, weil nur diese Wellenlänge sie überhaupt erreicht.
Pigment und Tattoos
Hier entscheidet neben der Tiefe vor allem die Farbe. Oberflächliches Pigment lässt sich mit 532 nm behandeln, tiefer sitzende oder dunkle Partikel benötigen 1064 nm. Für Grün- und Blautöne kommen Wellenlängen um 650 und 755 nm hinzu – Systeme wie der PICO-K bieten deshalb bis zu vier Wellenlängen in einem Gerät.
Hautstruktur und Resurfacing
Bei wasserbasierten Verfahren ist geringe Eindringtiefe kein Nachteil, sondern der Zweck. Der fraktionierte CO2-Laser trägt pro Puls nur wenige Mikrometer ab, erzeugt aber Mikrokanäle in kontrollierter Tiefe. Bei 1550 nm (Er:Glass) bleibt die Oberfläche intakt, während in der Tiefe koaguliert wird – die Grundlage nicht-ablativer Verfahren wie im Secret DUO.
Warum tiefer nicht besser heißt
In Verkaufsgesprächen wird Eindringtiefe gern als Qualitätsmerkmal dargestellt. Fachlich ist das irreführend: Die richtige Tiefe ist die, in der die Zielstruktur liegt.
Ein Laser, der tiefer wirkt als nötig, gibt Energie in Gewebe ab, das nicht behandelt werden soll – das erhöht Schmerz und Risiko, ohne das Ergebnis zu verbessern. Umgekehrt bleibt ein zu oberflächlich wirkender Laser wirkungslos, egal wie hoch die Fluence eingestellt wird.
Entscheidend ist deshalb die Frage: Wo liegt mein Behandlungsziel – und welche Wellenlänge erreicht genau diese Tiefe?
Wellenlänge als Kriterium beim Gerätekauf
Für die Praxis lässt sich daraus eine einfache Prüfliste ableiten:
- 1Welche Indikationen sollen abgedeckt werden – und in welcher Gewebetiefe liegen sie?
- 2Welche Hauttypen kommen in die Praxis? Ab Fitzpatrick IV ist 1064 nm faktisch Pflicht
- 3Bietet das System mehrere Wellenlängen oder nur eine? Multi-Wellenlängen-Systeme decken breitere Indikationsspektren ab
- 4Lassen sich Pulsdauer und Spotgröße getrennt einstellen? Nur dann ist die Tiefe wirklich steuerbar
Dermacom führt Systeme über das gesamte Wellenlängenspektrum – von 532 nm bis 10.600 nm – und berät bei der Auswahl nach Indikationsspektrum und Patientenstruktur. Kaufen oder leasen, mit Einweisung, Schulung und Service.
Häufige Fragen
Im Bereich der ästhetischen Lasersysteme 1064 nm mit etwa 3 bis 5 mm. Oberhalb von 1200 nm nimmt die Eindringtiefe wieder ab, weil Wasser das Licht sehr stark absorbiert.
Nur innerhalb des optischen Fensters zwischen etwa 600 und 1200 nm. Darüber dominiert die Wasserabsorption, und die Eindringtiefe sinkt wieder – 10.600 nm wirkt nur im Mikrometerbereich.
Je nach Körperregion etwa 2 bis 5 mm. Deshalb arbeiten Haarentfernungssysteme mit 755 oder 1064 nm – beide erreichen diese Tiefe zuverlässig.
1064 nm. Melanin absorbiert diese Wellenlänge deutlich schwächer als 755 nm, wodurch die Epidermis weniger Energie aufnimmt. Zusammen mit längerer Pulsdauer und Kühlung ist das der Standard ab Fitzpatrick IV.
Ja. Bei gleicher Wellenlänge und Fluence erreicht ein größerer Spot tiefere Strukturen, weil weniger Licht seitlich aus dem Strahlengang gestreut wird.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Behandlungen sind durch qualifiziertes Fachpersonal durchzuführen.