Tattooentfernung mit Laser
Bei der Laser-Tattooentfernung treffen ultrakurze Lichtimpulse das Farbpigment und zerlegen es photoakustisch in feinste Bruchstücke, die der Körper über das Lymphsystem abtransportiert. Entscheidend sind zwei Größen: die Pulsdauer – Nanosekunden beim Q-switched-Laser, Pikosekunden beim Pico-Laser – und die Wellenlänge, die zur jeweiligen Tattoofarbe passen muss. Die Behandlung ist nach NiSV approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Empfohlenes System
300 ps · bis zu 4 WellenlängenZum System→
Wie funktioniert die Laser-Tattooentfernung?
Tattoofarbe liegt als Pigmentcluster in der Dermis – zu groß, als dass der Körper sie abtransportieren könnte. Genau hier setzt der Laser an: Er sendet einen extrem kurzen, energiereichen Lichtimpuls aus, den das Pigment absorbiert, das umliegende Gewebe aber weitgehend nicht.
Weil die Energie in einem Bruchteil einer Sekunde ankommt, kann die Wärme nicht abfließen. Im Pigment entsteht eine Druckwelle, die den Farbpartikel mechanisch zersprengt – der photoakustische Effekt. Die entstandenen Bruchstücke sind klein genug, dass Fresszellen sie aufnehmen und über das Lymphsystem abtransportieren können.
Der Laser entfernt die Farbe nicht selbst – er macht sie nur abtransportierbar. Die eigentliche Arbeit übernimmt das körpereigene Immunsystem in den Wochen nach der Sitzung. Deshalb braucht es Abstände zwischen den Behandlungen.
Nanosekunden oder Pikosekunden – der entscheidende Unterschied
Beide Lasertypen arbeiten nach demselben Prinzip, unterscheiden sich aber in der Pulsdauer – und die entscheidet, wie fein das Pigment zerfällt.
Q-switched-Laser geben ihre Energie in Nanosekunden ab, also in Milliardstel einer Sekunde. Sie sind seit Jahrzehnten der etablierte Standard für Tattoo- und Pigmententfernung. Ein Teil der Energie wirkt dabei auch thermisch.
Pico-Laser verkürzen den Puls um den Faktor tausend auf Pikosekunden – Billionstel einer Sekunde. Dadurch verschiebt sich die Balance klar zum photoakustischen Effekt: Das Pigment zerfällt in feinere Fragmente, bei geringerem Wärmeeintrag ins umliegende Gewebe. Interessant ist das vor allem bei mehrfarbigen, dichten oder bereits mehrfach vorbehandelten Tattoos.
Welches System sinnvoll ist, hängt vom Behandlungsspektrum ab – beide Technologien haben ihren Platz. Ein ausführlicher Vergleich findet sich unter Pico-Laser vs. Q-Switched.
Welche Wellenlänge erreicht welche Farbe?
Pigment absorbiert nicht jedes Licht gleich gut. Eine Wellenlänge, die Schwarz zuverlässig erreicht, läuft an Grün nahezu wirkungslos vorbei. Deshalb bestimmt das verfügbare Wellenlängen-Spektrum, welche Tattoos ein System überhaupt adressieren kann.
| Wellenlänge | Adressiert vor allem | Eindringtiefe |
|---|---|---|
| 1064 nm | Schwarz, Dunkelblau, dermale Pigmente | tief |
| 532 nm | Rot, Orange, Braun, epidermale Pigmente | oberflächlich |
| 585 nm | Hellblau, Türkis | mittel |
| 650 nm | Grün | mittel |
Schwarze Tattoos gelten als am zugänglichsten, weil Schwarz breitbandig absorbiert. Grün- und Blautöne gehören zu den anspruchsvollsten Farben – sie sprechen erst auf die Zusatzwellenlängen 585 und 650 nm an, die nicht jedes Gerät mitbringt.
Was den Verlauf beeinflusst
Kein Tattoo verhält sich wie das andere. Diese Faktoren bestimmen, wie aufwendig eine Entfernung wird:
- Farbspektrum: Schwarz und Dunkelblau sind zugänglicher als Grün, Türkis oder helle Mischtöne
- Pigmentdichte und Tiefe: Professionell gestochene Tattoos sitzen tiefer und dichter als Laientattoos
- Alter des Tattoos: Ältere Tattoos sind oft bereits teilweise abgebaut
- Vorbehandlungen: Bereits mehrfach gelaserte Areale können hartnäckige Restpigmente enthalten
- Lage am Körper: Areale mit gutem Lymphabfluss – etwa rumpfnah – bauen Pigment schneller ab als Hände oder Unterschenkel
- Hauttyp: Bei dunkleren Hauttypen konkurriert Melanin um die Laserenergie, was angepasste Parameter verlangt
- Individuelle Immunantwort: Der Abtransport der Fragmente ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich
So läuft eine Behandlung ab
Der Ablauf ist in den meisten Praxen vergleichbar, auch wenn Details je nach Befund variieren:
- 1Ärztliche Beratung: Anamnese, Hauttyp-Bestimmung, Beurteilung von Farbspektrum und Tattoo-Zustand, Aufklärung über Verlauf und Risiken
- 2Testareal: Behandlung einer kleinen Fläche, um Reaktion und Parameter zu prüfen – besonders bei bunten Tattoos und Permanent-Make-up
- 3Vorbereitung: Reinigung des Areals, Augenschutz für alle Anwesenden, bei Bedarf Kühlung oder topische Betäubung
- 4Behandlung: Der Laser wird Puls für Puls über das Areal geführt; das Pigment färbt sich sofort milchig-weiß
- 5Nachsorge vor Ort: Kühlung, Wundauflage, Verhaltenshinweise für die Folgetage
- 6Abheilphase: konsequenter Sonnenschutz, kein Reiben oder Kratzen, Krusten nicht ablösen
- 7Kontrolle und Folgetermin: Der Abstand richtet sich nach Abheilung und Pigmentabbau
Warum die Haut sofort weiß wird
Unmittelbar nach dem Puls färbt sich das behandelte Areal milchig-weiß. Diese Reaktion heißt Immediate Whitening Reaction und entsteht durch winzige Dampf- und Gasbläschen – Vakuolen – an der Epidermis-Dermis-Grenze und rund um die Pigmentcluster.
Die Weißfärbung verblasst in der Regel nach etwa 15 bis 20 Minuten. Sie ist mehr als ein optisches Phänomen: Die Bläschen streuen das Laserlicht und schirmen tiefer liegendes Pigment ab. Deshalb bringt es wenig, in derselben Sitzung beliebig oft nachzusetzen – genau hier setzen Mehrpass-Verfahren und Kombinationstechniken an.
Wenn Pico und CO2 kombiniert werden
Manche Ärztinnen und Ärzte schalten der Tattooentfernung einen fraktionierten ablativen Laser vor. Der Gedanke dahinter ist physikalisch nachvollziehbar: Der CO2- oder Er:YAG-Laser setzt feine Mikrokanäle durch Epidermis und obere Dermis.
Diese Kanäle wirken doppelt. Sie verringern die optische Abschirmung an der Hautoberfläche, sodass mehr Licht zu tiefer liegendem, hartnäckigem Pigment vordringt. Und sie dienen als Ventile für die Gase, die beim Pigmentzerfall entstehen – experimentelle Arbeiten zeigen, dass sich dadurch bei gleichem Gewebeschaden höhere Fluenzen einsetzen lassen. Gleichzeitig adressiert der fraktionierte Laser die Hauttextur im behandelten Areal.
Ob, wann und wie kombiniert wird, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt im Einzelfall. Die Hintergründe erklärt die Seite Pico-Laser vs. CO2-Laser.
Grenzen, Risiken und Sonderfälle
Laser-Tattooentfernung ist ein medizinischer Eingriff mit realen Risiken. Fachgerecht durchgeführt sind die häufigsten Reaktionen vorübergehend – Rötung, Schwellung, Krustenbildung. Relevant sind vor allem diese Punkte:
- Paradoxe Verdunkelung: Fleischfarbene und weiße Permanent-Make-up-Pigmente enthalten häufig Eisenoxid. Unter Laserlicht kann rotbraunes Fe₂O₃ zu schwarzem FeO reduziert werden – das Pigment wird dunkler statt heller. Ein Testareal ist hier Pflicht.
- Pigmentverschiebungen: Vorübergehende Aufhellungen oder Verdunkelungen der Haut sind möglich, besonders bei dunkleren Hauttypen und ohne konsequenten Sonnenschutz.
- Narbenbildung: Bei zu hoher Energie, Infektion oder mechanischer Manipulation der Krusten möglich.
- Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen kann die Freisetzung von Pigmentbestandteilen allergische Reaktionen auslösen.
- Restpigmente: Ein vollständiges Verschwinden lässt sich nicht zusichern; manche Farben und Tiefen bleiben in unterschiedlichem Maß sichtbar.
Wer darf Tattoos entfernen?
Seit der Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung (NiSV) ist die Entfernung von Tätowierungen und Permanent-Make-up mit Lasern in Deutschland approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Kosmetikstudios dürfen diese Behandlungen nicht mehr anbieten.
Für Praxen bedeutet das zweierlei: eine rechtlich klar abgegrenzte Leistung ohne Wettbewerb aus dem Kosmetikbereich – und die Pflicht zu entsprechender Fachkunde für alle Anwendenden.
Zwei Systeme für Tattoo und Pigment
Für die Tattoo- und Pigmententfernung führt Dermacom zwei Systeme mit unterschiedlichen Schwerpunkten – beide sind für diese Indikation ausgelegt, sie unterscheiden sich in Pulsdauer und Farbspektrum.
| Merkmal | PICO K | CuRAS Hybrid |
|---|---|---|
| Technologie | Picosekundenlaser | Q-switched Nd:YAG |
| Pulsdauer | 300 ps, ca. 2 % Abweichung | Nanosekundenbereich |
| Wellenlängen | 1064 · 532 nm serienmäßig, 585 · 650 nm optional | 1064 · 532 nm |
| Spitzenleistung | bis 2,0 GW | systemabhängig |
| Besonderheiten | Top-Hat-Strahlprofil, MLA-Handstück für fraktionierte Behandlungen | DOE-, Zoom-Collimation- und MLA-Pico-Handstück |
| Typische Schwerpunkte | mehrfarbige, dichte und vorbehandelte Tattoos, Pigment, Toning | Tattoo, Pigment, Melasma, Carbon Peeling |
PICO K – das breiteste Farbspektrum
Der PICO K arbeitet mit stabilen 300-Pikosekunden-Impulsen bei bis zu 2,0 GW Spitzenleistung. Durch die kurze Pulsdauer dominiert der photoakustische Effekt: Das Pigment zerfällt feiner, bei geringerem Wärmeeintrag. Mit bis zu vier Wellenlängen deckt er auch die anspruchsvollen Grün- und Blautöne ab, und das MLA-Handstück erweitert das Spektrum um fraktionierte Hautbild-Behandlungen.
CuRAS Hybrid – der bewährte Klassiker
Der CuRAS Hybrid ist ein Q-switched Nd:YAG mit 1064 und 532 nm und damit seit Jahrzehnten etablierter Standard für Tattoo und Pigment. Über drei Handstücke deckt er zusätzlich Melasma und Carbon Peeling ab – ein breites Anwendungsfeld bei in der Regel niedrigerer Einstiegsinvestition.
Beide Systeme kommen von Dermacom – mit Einweisung, Service und deutschlandweitem Support. Welches zur Praxis passt, hängt vom geplanten Indikationsmix ab. Den direkten Technologie-Vergleich zeigt Pico-Laser vs. Q-Switched; Grundlagen und Kaufkriterien erklärt Pico-Laser (Picosekundenlaser).

Tattoo & Pigment in Pikosekunden
Der PICO K von Dermacom liefert stabile 300-ps-Impulse mit bis zu 2,0 GW und bis zu vier Wellenlängen (1064 · 532 · 585 · 650 nm) – für alle gängigen Tattoofarben, Pigment und Toning.
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Häufige Fragen
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die Zahl hängt von Farbspektrum, Pigmentdichte, Tiefe, Alter des Tattoos, Körperregion und Hauttyp ab. Zwischen den Sitzungen braucht der Körper Zeit, um die fragmentierten Pigmente abzutransportieren. Eine belastbare Einschätzung ist nur nach ärztlicher Begutachtung möglich.
Die Behandlung wird häufig als unangenehm beschrieben. Kühlung, angepasste Parameter und bei Bedarf topische Betäubung erhöhen den Komfort. Wie stark die Empfindung ausfällt, ist individuell verschieden und hängt auch von Areal und Größe ab.
Schwarz und Dunkelblau gelten als am zugänglichsten und sprechen auf 1064 nm an. Rot, Orange und Braun werden über 532 nm adressiert. Hellblau, Türkis und Grün gehören zu den anspruchsvollsten Farben – sie benötigen die Zusatzwellenlängen 585 und 650 nm, die nicht jedes System bietet.
Der Laser zerlegt das Pigment nur – abtransportiert wird es vom körpereigenen Lymphsystem. Dieser Prozess braucht Wochen. Ein zu kurzer Abstand belastet die Haut zusätzlich, ohne dass mehr Pigment abgebaut wäre. Den passenden Abstand legt die Praxis nach Abheilung und Befund fest.
Beide Verfahren sind für die Tattooentfernung etabliert. Der Pico-Laser zerlegt Pigment durch die kürzere Pulsdauer feiner und bringt weniger Wärme ins umliegende Gewebe, was besonders bei mehrfarbigen, dichten oder vorbehandelten Tattoos relevant ist. Der Q-switched-Laser ist der bewährte Standard mit meist niedrigerer Einstiegsinvestition. Entscheidend ist der geplante Indikationsmix der Praxis.
Grundsätzlich ja, allerdings mit besonderer Vorsicht. Fleischfarbene und weiße PMU-Pigmente enthalten häufig Eisenoxid, das unter Laserlicht paradox verdunkeln kann. Ein Testareal vor der Behandlung des gesamten Bereichs ist deshalb Standard.
Diese sofortige Weißfärbung heißt Immediate Whitening Reaction. Sie entsteht durch Dampf- und Gasbläschen im Gewebe und verblasst üblicherweise nach etwa 15 bis 20 Minuten. Da die Bläschen das Laserlicht streuen, begrenzt sie, wie oft in einer Sitzung sinnvoll nachbehandelt werden kann.
Seit Inkrafttreten der NiSV ist die Laser-Tattooentfernung approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Kosmetikstudios dürfen diese Behandlung nicht anbieten. Für alle Anwendenden gilt zusätzlich eine Fachkundepflicht.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Behandlungen sind durch qualifiziertes Fachpersonal durchzuführen.