Haarausfall behandeln: Verfahren im Überblick
Bei Haarausfall kommen in der ästhetischen Praxis vor allem Verfahren zum Einsatz, die die Kopfhaut und die Haarfollikel direkt versorgen: Mesotherapie mit Wirkstoffcocktails, PRP aus dem eigenen Blut und Polynukleotide. Alle drei arbeiten mit feinen Injektionen in die Kopfhaut und werden in Serien über mehrere Monate angewendet. Voraussetzung ist immer eine ärztliche Abklärung der Ursache, da Haarausfall sehr unterschiedliche Auslöser haben kann.

Warum die Ursache zuerst geklärt werden muss
Haarausfall ist ein Symptom, keine Diagnose. Hinter dem gleichen Erscheinungsbild können sehr unterschiedliche Ursachen stehen – von der anlagebedingten androgenetischen Alopezie über diffusen Haarausfall nach Belastungssituationen bis zu Erkrankungen wie der kreisrunden Alopezie oder Schilddrüsen- und Eisenstoffwechselstörungen.
Für die Praxis heißt das: Vor jeder Behandlung steht die ärztliche Abklärung. Sie entscheidet darüber, ob eine ästhetische Behandlung überhaupt sinnvoll ist, ob eine internistische oder dermatologische Therapie vorrangig ist – und was realistisch erwartet werden kann.
Ästhetische Verfahren richten sich an die Versorgung der Kopfhaut und der vorhandenen Follikel. Sie ersetzen keine dermatologische Diagnostik und keine ärztlich indizierte Therapie.
Die häufigsten Formen im Überblick
Welche Form vorliegt, entscheidet über die Behandlungsoptionen – und darüber, ob ein ästhetisches Verfahren überhaupt infrage kommt.
| Form | Merkmale | ästhetische Verfahren sinnvoll? |
|---|---|---|
| Androgenetisch (erblich bedingt) | schleichend, typisches Muster; bei Männern Geheimratsecken und Tonsur, bei Frauen Scheitelverbreiterung | häufigstes Einsatzgebiet von PRP und Mesotherapie |
| Diffus (telogenes Effluvium) | gleichmäßige Ausdünnung, oft nach Belastung, Infekt, Operation oder Hormonumstellung | nur nach Ursachenklärung; oft bessert sich die Ursache selbst |
| Kreisrund (Alopecia areata) | scharf begrenzte, runde kahle Stellen | dermatologische Abklärung vorrangig, Autoimmungeschehen |
| Vernarbend | mit Rötung, Schuppung oder Juckreiz, Follikel gehen verloren | in der Regel nicht geeignet, dringend dermatologisch abklären |
Häufige Auslöser für diffusen Haarausfall sind Eisen- oder Schilddrüsenstörungen, hormonelle Umstellungen, hohe Belastungsphasen sowie Infekte – nach fieberhaften Erkrankungen tritt er typischerweise mit einigen Wochen bis Monaten Verzögerung auf. Weil sich diese Formen oft von selbst bessern, sobald die Ursache behoben ist, steht die Abklärung am Anfang.
Die drei gängigen Verfahren
Mesotherapie der Kopfhaut
Bei der Mesotherapie werden Wirkstoffe in vielen kleinen Injektionen direkt in die Kopfhaut eingebracht – typischerweise Kombinationen aus Vitaminen, Spurenelementen, Aminosäuren und Hyaluron. Ziel ist die Versorgung des Follikelumfelds.
Die Applikation erfolgt entweder manuell oder reproduzierbar mit einem Mesotherapie-Injektor. Der Vorteil eines Geräts liegt in der gleichbleibenden Einstichtiefe und Dosierung – gerade auf der Kopfhaut, wo viele Einstiche flächig verteilt werden.
PRP – plättchenreiches Plasma
PRP wird umgangssprachlich häufig Eigenblutbehandlung genannt – gemeint ist dasselbe Verfahren. Bei PRP wird dem Patienten Blut abgenommen, in der Zentrifuge aufbereitet und das plättchenreiche Plasma anschließend in die Kopfhaut injiziert. Die enthaltenen Wachstumsfaktoren sollen regenerative Prozesse im Follikelumfeld anregen.
PRP ist das am häufigsten eingesetzte Verfahren bei androgenetischer Alopezie in der ästhetischen Praxis. Die Studienlage ist heterogen: Es gibt Untersuchungen mit positiven Ergebnissen, zugleich unterscheiden sich Aufbereitungsprotokolle und Messmethoden erheblich, was den Vergleich erschwert.
Polynukleotide
Polynukleotide (PDRN) werden ebenfalls injiziert und zielen auf die Regeneration des Gewebes. Sie kommen sowohl allein als auch in Kombination mit PRP zum Einsatz.
Abgrenzung: Lasertherapie bei Haarausfall
Häufig gesucht wird auch die Low-Level-Lasertherapie (LLLT) – Kämme, Hauben oder Helme mit schwachen Laserdioden. Das ist ein anderes Prinzip als die hier beschriebenen Injektionsverfahren: Es wird nichts eingebracht, sondern schwaches Licht auf die Kopfhaut abgegeben. Die Studienlage ist begrenzt und die Ergebnisse fallen uneinheitlich aus; mit den ästhetischen Lasersystemen für Haarentfernung oder Hautbehandlung hat das Verfahren nichts zu tun.
Ablauf einer Behandlungsserie
Alle drei Verfahren folgen einem ähnlichen Muster:
- 1Anamnese und Diagnostik – Ursachenklärung, gegebenenfalls Laborwerte, Dokumentation des Ausgangsbefunds
- 2Behandlungsplan – Auswahl des Verfahrens, Festlegung von Sitzungszahl und Intervallen
- 3Behandlungsserie – meist mehrere Sitzungen im Abstand von zwei bis vier Wochen
- 4Erhaltungsbehandlungen – in größeren Abständen, abhängig vom Verlauf
- 5Verlaufskontrolle – standardisierte Fotodokumentation, um Veränderungen beurteilen zu können
Weil das Haar in Zyklen wächst, sind Veränderungen frühestens nach mehreren Monaten beurteilbar. Eine seriöse Aufklärung benennt das offen – ebenso wie die Tatsache, dass das Ansprechen individuell unterschiedlich ausfällt.
Was Patientinnen und Patienten wissen sollten
- Die Verfahren zielen auf vorhandene Follikel. Wo keine Follikel mehr aktiv sind, kann keine Injektion sie zurückbringen.
- Es handelt sich um Serienbehandlungen, nicht um Einzeltermine.
- Ergebnisse sind individuell unterschiedlich und nicht vorhersagbar.
- Bei Blutgerinnungsstörungen, akuten Entzündungen der Kopfhaut, Schwangerschaft und bestimmten Vorerkrankungen sind die Verfahren nicht geeignet – die Kontraindikationen sind vor jeder Behandlung zu prüfen.
Für Praxen: Was die Behandlung erfordert
Kopfhautbehandlungen sind arbeitsintensiv: Es werden viele Einstiche auf einer großen Fläche gesetzt, und Tiefe wie Dosis sollen dabei konstant bleiben. Genau hier liegt der Unterschied zwischen manueller Applikation und Injektor:
- Reproduzierbarkeit: gleichbleibende Einstichtiefe über die gesamte Fläche
- Zeitersparnis: deutlich kürzere Behandlungsdauer bei flächigen Arealen
- Dosierung: definierte Wirkstoffmenge je Einstich, weniger Verlust
- Komfort: hohe Injektionsgeschwindigkeit wird meist als angenehmer empfunden
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Häufige Fragen
Vor allem Mesotherapie mit Wirkstoffcocktails, PRP aus dem eigenen Blut und Polynukleotide. Alle drei werden als Injektionsserie in die Kopfhaut angewendet.
Ja. Haarausfall kann sehr unterschiedliche Ursachen haben – von anlagebedingt über Mangelzustände bis zu Erkrankungen. Ohne ärztliche Abklärung lässt sich weder die Eignung noch eine realistische Erwartung beurteilen.
In der Regel mehrere Sitzungen im Abstand von zwei bis vier Wochen, gefolgt von Erhaltungsbehandlungen in größeren Abständen. Der genaue Plan hängt von Befund und Verfahren ab.
Weil Haare in Zyklen wachsen, sind Veränderungen frühestens nach mehreren Monaten beurteilbar. Eine standardisierte Fotodokumentation hilft, den Verlauf objektiv einzuschätzen.
Nein. Das Ansprechen ist individuell unterschiedlich und nicht vorhersagbar. Die Verfahren richten sich an vorhandene, noch aktive Follikel.
Ja. „Eigenblutbehandlung" ist die umgangssprachliche Bezeichnung für PRP – das Blut wird abgenommen, aufbereitet und das plättchenreiche Plasma anschließend in die Kopfhaut injiziert.
Am häufigsten wird der androgenetische, also erblich bedingte Haarausfall ästhetisch behandelt. Bei diffusem Haarausfall steht die Ursachenbehebung im Vordergrund, bei kreisrundem und vernarbendem Haarausfall die dermatologische Abklärung.
Die Low-Level-Lasertherapie mit Kämmen oder Hauben ist ein eigenes Verfahren mit begrenzter und uneinheitlicher Studienlage. Mit den Injektionsverfahren und mit ästhetischen Lasersystemen für Haut und Haarentfernung hat sie nichts zu tun.
Weil auf der Kopfhaut viele Einstiche flächig gesetzt werden. Ein Injektor hält Einstichtiefe und Dosierung konstant und verkürzt die Behandlungsdauer spürbar.
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Behandlungen sind durch qualifiziertes Fachpersonal durchzuführen.